Select a news topic from the list below, then select a news article to read.

Paddock-Trail (Haltung) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thiemo Kellner   
Dienstag, den 14. Dezember 2010 um 22:16 Uhr

Begriffswirrwarr

Paddock-Trail, Paddock Paradise, was soll der Begriffsdschungel? Im Grunde sind die Konzepte sehr ähnlich. Ausgegangen ist alles von Paddock Paradise. Ein Begriff der von Jamie Jackson (siehe im folgenden) geprägt wurde. Dieses Konzept schwappte auch über den großen Teich nach Europa, wo es Interessiert und Anhänger fand. Wohl aus finanziellen Gründen ließ sich ein Niederländer, der Mitglied der Jackson-Organisation AANHCP den Begriff markenrechtlich schützen. Anscheinend zwar nur in den BeNeLux-Staaten, aber es werden angeblich Betreiber von Ställen angeschrieben, die den Begriff verwenden, sich kostenpflichtig zertifizieren zu lassen. Deswegen wurde von Keep It Natural e. V. der Begriff Paddock-Trail geprägt. Für Trail spricht, dass damit nicht ein paradisisches Versprechen abgegeben wird und dass es das Konzept selbst schon zu einem großen Teil beschreibt.

 

Wie kam es zu Paddock-Trail/ Paradise?

Jamie Jackson war US-amerikanischer Hufschmied, der mit dem Resultat des Beschlags nicht zufrieden war. Er studierte die Hufe wild lebender Pferde in den USA. Sein daraus abgeleitetes Bearbeitungskonzept war so erfolgreich, dass er auf Beschlag zukünftig komplett verzichten konnte. Bei seinen Studien stellte er fest, dass die Hufqualität bei Mustangs, die von der BLM (Bureau of Land Management) gefangen und in großen Gehegen gehaltenen worden waren, innerhalb Wochen schlechter wurde.

Schlussfolgerungen

  • Die Hufe von gehaltenen Pferden unterscheiden sich im Potential nicht von den wild lebender Pferde.
  • Würden gehaltene Pferde in die freie Wildbahn entlassen, würden deren Hufe so gut wie die der Mustangs (die irreparabel geschädigten mal ausgenommen).
  • Würden gehaltene Pferde dasselbe Verhalten wie wild lebende zeigen, hätten sie super Hufe.
  • Das Pferd muss sich fortwährend bewegen (auch geistig), um seine körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten.

 

Verhalten wild lebender Pferde

Das Verhalten wild lebender Pferde kann eingeteilt werden in gewöhnliche, alltägliche Aktivitäten, Routinen und in außergewöhnliche, seltene Aktivitäten. Für die gewöhnlichen wendet ein Pferd ungefähr 95 % seiner Zeit auf. Die restlichen etwa 1 ¼ Stunden pro Tag braucht es für das außergewöhnliche. Diese Regel sollte beherzigt werden.
Jamie Jackson tendiert dazu, Aktivitäten wie Reiten usw. zu den gewöhnlichen zu zählen.

Gewöhnliches Verhalten

  • Im-Schritt-Gehen: Um die gewöhnlichen Dinge zu tun, 15 – 30 km pro Tag (Die Hufpumpe ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig!)
  • Behaglichkeit-Steigern: Sonnen, Dösen, Unterschlupf-Suchen, Lecken, Schuppern, Kratzen, Knabbern, Wälzen, Sich-Gegenseitig-Beknabbern,...
  • Verständigung: Schnauben, Wiehern, Wittern, Duftmarken-Absetzen, ...
  • Urinieren, Kot-Absetzen
  • Reproduktiv: Sich-um-Fohlen-Kümmern (Stute und „Tanten“)
  • Erholung: Dösen, Schlafen
  • Soziale-Bindungen-Pflegen: innerhalb der Herde
  • Gebiet-Abstecken
  • Neugierde-Befriedigen
  • Ernährung: Fressen (12 – 18 h/d), Saufen, Säugen

 

Außergewöhnliches Verhalten

  • Angstreaktionen: Alarmierung, Flucht, Kampf gegen andere Herden, Kampf gegen Raubtiere
  • Kot-Fressen
  • Dominanz: Rangordnung-Festlegen
  • Verständigung: Trompeten, mit anderen Tierarten
  • Spielen: alleine oder zu mehrt
  • Die Geburt betreffend
  • Reproduktiv: Decken, Kampf um die Herde
  • Neugierde-Befriedigen
  • Soziale-Bindungen-Pflegen: zu Pferden außerhalb der Herde, außerartlich

 

Weitere Beobachtungen

  • Pferde gruben mit den Hufen kreidiges Kalzium aus, zermahlten es mit den Zähnen (Zahnpflege, Kalzium-Aufnahme?)
  • Pferde fraßen hauptsächlich trockene Gräser und Hülsenfrüchtler (Leguminosen) vermutlich weil halt auch kaum frisches Grünzeug zur Verfügung stand
  • Pferde nutzen immer wieder dieselben Pfade, Wege und Strecken
  • Zum Abfohlen trennt sich die Stute ein kurze Strecke von der Herde in eine kleinen privaten Bereich. Allenfalls eine weitere Stute ist zu gegen
  • Pferde fraßen von der Rinde von giftigen Pflanzen wie Vogelbeere... (vielleicht antiparasitische Wirkung)
  • Gelegentlich nehmen Pferde Kot auf, wenn sie die untere Beinpartien Pflegen. Da der Parasitendruck in freier Wildbahn klein sein dürfte, ist dies wohl kein Problem.
  • Pferde wälzen sich in Sand, Staub, Schlamm und Wasser (im Winter letztere nicht). (vielleicht gegen Ektoparasiten)

 

Prinzipien zur Umsetzung

  • Aufgabe, eine Umgebung zu schaffen, wo das natürliche Verhalten der Pferde ausgelöst wird.
  • Ausprobieren, beobachten, anpassen



Quellen

  • Jackson, J.: Paddock Paradise A Guide to Natural Horse Boarding, 2006
  • Taylor, W.: American Ferriers Journal, November 2000
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 04. April 2013 um 22:03 Uhr
 
<< Start < Zurück 1 2 3 Weiter > Ende >>

Seite 2 von 3